Termine am Philosophischen Seminar
Wintersemester 2009/10
Institutskolloquium
Philosophisches Institut, Universität Saarbrücken
Atome – Forschungsprogramm, Metaphysik und Trost?
derzeit als Lehrstuhlvertretung in Heidelberg:
Protagoras oder der Irrweg der Demokratie. Platons Opposition zum
sophistischen Verständnis von
Politik und Tugend im Protagoras
Fachbereich Philosophie, Universität Konstanz
Die Herausforderung kultureller Vielfalt. Sozialphilosophische Überlegungen
Selfhood and the Problem of Sameness
25. Januar 2010, 18.30 Uhr s.t., Kantsaal
Weitere Informationen unter http://journalclub.rainerebert.com/
Heidelberger Kompaktseminar 2010
Kirk Ludwig
University of Florida
Truth and Meaning in Davidson's Philosophy: A Critical Assessment
8. bis 12. Februar 2010
Nähere Informationen zum Seminar finden Sie hier.
Gary Steiner
John Howard Harris Professor of Philosophy, Bucknell University
Tierrecht und die Grenzen des Postmodernismus: Der Fall Derrida
Nach einem traditionellen, von den Stoikern geerbten Begriff haben nur diejenigen Lebewesen einen Anteil an der Gerechtigkeit, die vernunftbegabt sind und so Rechte und Pflichten als solche begreifen können. Neuerdings wird dieses Vorurteil der Tradition immer mehr in Frage gestellt, denn Theoretiker werden immer bereiter, die Irrelevanz der Vernunftbegabung für die Frage des moralischen Wertes anzuerkennen. Vor allem die Theoretiker der Postmoderne behaupten in der Nachfolge Jeremy Benthams, daß die Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, das bestimmende Kriterium für den moralischen Wert eines Lebewesens sei. Sie behaupten weiter, daß das liberale humanistische Streben nach festen Prinzipien nicht nur nutzlos, sondern geradezu gefährlich sei für die Aufgabe, den eigentlichen moralischen Wert der Tiere anzuerkennen und zu schützen. Doch diese postmodernen Denker gehen entgegen ihrer eigenen Absicht von gewissen Voraussetzungen aus, die es völlig unmöglich machen, Tiere als moralisch wertvolle Wesen zu verteidigen - und zwar deswegen, weil der Postmodernismus letztlich keinen Platz für so etwas wie feste Prinzipien bereithält. In diesem Zusammenhang sind die Ideen Derridas das aufschlußreichste Beispiel dafür, wie man nicht versuchen sollte, den moralischen Wert der Tiere zu verteidigen, denn im Feld der Erfahrung gibt Derrida der Unbestimmtheit bzw. der Mannigfaltigkeit den logischen Vorrang vor jeder Bestimmtheit. Dabei möchten Derrida und seine Anhänger die repressiven Konsequenzen der angeblich totalitären traditionellen Denkweise vermeiden, doch aus der Strategie Derridas folgt tatsächlich, daß die Begründung von Moralprinzipien im Allgemeinen überhaupt unmöglich wird. So muß Derrida letzten Endes freilich eingestehen, daß wir "erst später, d.h. niemals" den moralischen Wert der Tiere (geschweige denn jeglichen Wesens) feststellen werden.
15. März 2010, 19 Uhr c.t., Hegelsaal